Hippotherapie

 

 

Was bedeutet Hippotherapie?

Hippotherapie ist die physiotherapeutische Behandlung (auf neurophysiologischer Grundlage) eines Menschen mit und auf dem Pferd.

 

 

Die Hippotherapie ist ein Fachbereich des Therapeutischen Reitens (weitere Fachbereiche sind „Heilpädagogische Förderung mit dem Pferd“, „Ergotherapeutische Behandlung mit dem Pferd“ und „Reiten als Sport für Menschen mit Behinderungen“).

 

Für wen eignet sich Hippotherapie?

Die Hippotherapie eignet sich für Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

Sie wird eingesetzt bei Erkrankungen bzw. Schädigungen des Zentralnervensystems und des Stütz- und Bewegungsapparates.

Das Ziel aller neurophysiologischen Behandlungsmethoden und der Hippotherapie besteht darin, gestörte Funktionen von Muskeln und Muskelketten (wieder) in eine möglichst gesunde Funktionsweise umzuwandeln.

Es erfolgt ein Training und eine Spannungsregulation der Muskulatur unter Ausschöpfung der möglichen bzw. verbliebenen Gelenkfunktionen.

 

 

Durchführung der Hippotherapie:

Es handelt sich um eine physiotherapeutische Einzelmaßnahme. Hippotherapie wird 1-2x / Woche durchgeführt. Die Behandlungsdauer ist abhängig von der Belastbarkeit und Leistungsfähigkeit des Patienten; sie beträgt durchschnittlich ca. 20 bis 30 Minuten. Die Person auf dem Pferd muss nicht reiten können und auch keine Kenntnisse über Pferde mitbringen. Der Patient wird während der gesamten Maßnahme vom Hippotherapeuten gesichert.

Die Pferde sind speziell als Therapiepferd ausgebildet, aufmerksam, ruhig und zuverlässig. Die Therapie findet immer im Tempo "Schritt" statt, da nur in dieser Gangart die dreidimensionalen Bewegungsimpulse, die wir in der Therapie nutzen wollen, vom Pferderücken auf das menschliche Becken übertragen werden.

 

 

Wie wirkt Hippotherapie?

Das Pferd besitzt die Fähigkeit, sich in der Gangart Schritt in einer Art und Weise zu bewegen, dass der auf ihm sitzende Mensch passiv so mitbewegt wird, als ob er selber gehen würde.

Die rhythmischen Bewegungen des Pferdes übertragen auf Becken und Rumpf des Patienten Schwingungsimpulse, die nahezu identisch mit dem Bewegungsablauf des Gehens beim Menschen sind.

Dies fordert vom Patienten unbewusste gangtypische Reaktionen im Rumpf, wie es keine andere Therapieform in diesem Ausmaß vermag.

Hierdurch erfolgt eine Bewegungsanbahnung, über die zum Beispiel neurologische Bewegungsstörungen deutlich verbessert werden können. Es findet ein Training und eine Tonusregulation der Muskulatur unter Ausschöpfung der möglichen bzw. verbliebenen Gelenkfunktionen statt.

 

 

Was wird durch die Therapie beeinflusst?

  1. Tonusregulation (Muskelspannung)
    Durch die Bewegungsstimulation im Schritt wird die Spannung der Muskulatur im Rumpf und in den Extremitäten normalisiert, d.h. erhöhte Muskelspannung (Spastik) lässt sich reduzieren und verminderte Muskelspannung (Hypotonie) lässt sich wieder aufbauen.

     

  2. Gleichgewicht
    Durch die Bewegung erfolgt eine Schulung des Koordinationsvermögens und der Haltungs- und Gleichgewichtsreaktionen des gesamten Bewegungsapparates.

     

  3. Aufrichtung
    Die vom Pferd implizierten Bewegungsimpulse ermöglichen eine bestmögliche Aufrichtung der Wirbelsäule und schaffen somit eine Voraussetzung für die Entwicklung funktionsgerechter Bewegungen des Kopfes und der Extremitäten.

     

  4. Symmetrie
    Durch die symmetrischen Schwingungsimpulse kann der bewegungsgestörte Patient das Gefühl für die Körpermitte schulen.

     

  5. Rhythmus
    Durch das rhythmische Bewegen des Körpers werden wiedererlangte Bewegungsmuster stabilisiert und automatisiert .

     

  6. Gangbild
    Durch die menschengangähnlichen Schwingungsimpulse erfolgt eine optimale Gangschulung.

     

  7. Mobilisation der Gelenke
    Das rhythmische Bewegen der Gelenke bei gleichzeitiger Tonusregulierung führt mit der Zeit zu einer Mobilisation eingeschränkter Gelenke (zum Beispiel Förderung der selektiven Bewegungen in LWS und Hüftgelenken).

  8. Mundmotorik
    Durch die Tonusregulierung werden verminderter Mundschluß, übermäßiger Speichelfluss und Sprachprobleme positiv beeinflusst.

 

 

Zielgruppen sind Menschen mit:

  • zu viel oder zu wenig Spannung in der Muskulatur/ Muskelfunktionsstörungen (also alle Krankheitsbilder von der Atonie bis zur Spastik)

  • Wahrnehmungs- und/oder Koordinationsproblemen

  • Bewegungsdefiziten in den Gelenken

  • ungenügender Rumpfaufrichtung

  • asymmetrischer Körperhaltung/Skoliose

 

Zusätzlich geschieht immer eine Förderung von:

  • Konzentration und Aufmerksamkeit

  • Einschätzungsvermögen der eigenen Leistungsfähigkeit/Körperwahrnehmung

  • Motivation und Selbstwertgefühl

 

Somit eignet sich die Hippotherapie besonders für Erwachsene und Kinder mit folgenden Diagnosen:

  • inkomplettes Querschnittsyndrom

  • Z.n. Schädelhirntrauma

  • Z.n. Apoplex

  • Multiple Sklerose

  • Ataxie

  • ICP

  • Spina bifida

  • Poliomyelitis

  • Skoliose und/oder Beckenschiefstand

  • Gleichgewichts- und/oder Koordinationsstörungen

  • sensorische Integrationsstörungen

 

Weitere Zielgruppen:

Meiner Meinung nach gibt es tatsächlich fast niemanden, dem es nicht unglaublich gut tun würde, sich einfach mal von einem freundlichen Pferd tragen und bewegen zu lassen! Der Umgang mit dem Tier macht Spaß, entspannt Muskeln und Seele und zaubert jedem ein Lächeln ins Gesicht.

In sich gekehrte und zurückhaltende Menschen leben auf, hyperaktive Menschen entspannen und beruhigen sich.

Körpergefühl und Gleichgewicht werden gefördert, neue Perspektiven geschaffen, schöne Emotionen freigesetzt und vieles vieles mehr.

 

 

Klassische Physiotherapie oder Hippotherapie?

Ich bin überzeugt von sinnvollen regelmäßigen Übungen, um eine körperliche Funktionsstörung zu verringern. Dies kann in einer Praxis zusammen mit einem Physiotherapeuten geschehen oder alleine zu Hause. Oft tritt leider nach einigen Monaten oder Jahren eine Therapiemüdigkeit ein, die Übungen sind mit der Zeit langweilig und erfordern sehr viel Selbstdisziplin. Hippotherapie macht SPASS! Sie findet in einer anderen Umgebung, in einer anderen Form und vor allem zusammen mit einem freundlichen, wundervollen Lebewesen statt, mit dem man während der Therapie eine Beziehung eingeht. Pferde (ver-)urteilen nicht, sie nehmen jeden Menschen wie er ist, sie sind freundlich und kontaktfreudig. Sie tragen uns bereitwillig und eröffnen neue Perspektiven.

 

 

Wer führt die Hippotherapie durch?

Grundsätzlich wird die Therapie von Physiotherapeuten oder Ärzten durchgeführt, die eine berufliche Weiterbildung zum Hippotherapeuten erfolgreich abgeschlossen haben.

Ich bin seit Dezember 2000 staatlich anerkannte Physiotherapeutin mit den Schwerpunkten Neurologie und Orthopädie (unter Anderem mit folgenden Zusatzqualifikationen: Bobath, Manuelle Therapie, Manuelle Lympphdrainage, McKenzie) und habe die Weiterbildung zur Hippotherapie im Juni 2015 beim DKThR (Deutsches Kuratorium für Therapeutisches Reiten) abgeschlossen.

 

 

Wo findet die Therapie statt?

Auf einem privaten Hof in einer schönen hellen Reithalle, die uns zur alleinigen Verfügung steht.

Die Halle ermöglicht es uns bei jedem Wetter trocken und geschützt zu sein.

Für das Auf- und Absteigen gibt es eine Aufstiegshilfe (siehe Bild links und unten), die so konzipiert ist, dass auch Rollstuhlfahrer zur Therapie kommen können, da sie auch von außerhalb der Halle zugänglich ist .

Der Hof befindet sich 13 Km weit von Rosenheim entfernt (bei Schechen).

 

 

Wer trägt die Kosten?

Seit 2006 wird die Hippotherapie leider nicht mehr als anerkanntes Heilmittel nach den Heilmittelrichtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses aufgeführt.

Die Folge ist, dass gesetzliche Krankenkassen die Hippotherapiekosten nicht übernehmen.

Einige private Krankenkassen übernehmen im Rahmen von Einzelfallentscheidungen die Kosten.

 

 

Preis:

30 Minuten Einzelbehandlung Hippotherapie:   40 €

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Weitere Informationen zum Thema Hippotherapie finden Sie auf der Webseite des DKThR (Deutsches Kuratorium für Therapeutisches Reiten).

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